Heutige Herausforderungen, d.h. innere und äußere Konflikte im jetzigen Alter, lassen sich ganz ohne Rückgriff auf Kindheitsthemen bearbeiten und lösen. Dafür ist die systemische Therapie – in Abgrenzung zu anderen Ansätzen – bekannt.

Manchmal ist es aber dennoch ausgesprochen hilfreich, sich der eigenen Prägungen bewusst zu werden. Man kann sie aktiv nutzen, gestalten und als positive Stärken weiterentwickeln. Die eigenen verwundbaren Punkte kennen und gut „halten“ und „versorgen“ zu lernen, ist beispielswiese für den Umgang mit dem Verwundbarkeitszirkel des Paares unterstützend.

Schon als Kinder lernen wir durch Erfahrungen, wie die Welt funktioniert – wie sehr (oder wenig) unsere Bedürfnisse berücksichtigt werden, wie man Aufmerksamkeit (vielleicht doch noch) bekommt, wie mit Konflikten umgegangen wird, wie Geschlechterrollen gelebt werden, was sicher ist und was nicht. Frühe Erlebnisse prägen unsere Persönlichkeit wesentlich mit.

Zum Beispiel: Wenn ein Kind nur dann Zuwendung bekommt, wenn es „brav“ ist, lernt es vielleicht, immer zu gefallen – und entwickelt später einen eher angepassten Persönlichkeitsstil. Solche Muster helfen uns, im Alltag zurechtzukommen, können aber auch zu Konflikten oder Problemen führen: Im Inneren, z. B. wenn jemand sich ständig überfordert, weil er es allen recht machen will. Im Äußeren, z.B. weil aufgrund der Umfelder nur wenig Konfliktfähigkeit erworben werden konnte.

Gleichzeitig stecken in diesen Prägungen aber auch wichtige Ressourcen. Wer als Kind z.B. früh Verantwortung übernehmen musste, hat oft eine innere Stärke, helfende Anteile oder Organisationstalent entwickelt.

Charakterstile

Unsere Kindheit prägt, wie wir fühlen, denken und handeln. Was uns also einerseits zu schaffen macht, kann andererseits auch eine wertvolle Fähigkeit sein – besonders dann, wenn wir die Zusammenhänge verstehen und bewusster damit umgehen lernen, etwa in der Therapie.

In der Psychologie gibt es zahlreiche Modelle zu Persönlichkeitstypen bzw. Charakterstilen. Nicht immer gehen sie dabei auf Kindheitsnöte als Hintergrund ein. Ich stelle Ihnen hier in sehr kurzer, tabellarischer Übersicht meine Version eines bewährten Modells mit neun Persönlichkeitstypen vor, das sogenannte „Enneagramm“. In dieser Version finden Sie gegebene Kindheitsthemen, mit ihnen entstandene Fähigkeiten und ggf. anstehende Entwicklungsräume. Unabhängig vom jeweiligen Charakterstil ist der Blick von hinten nach vorne (auf Kompetenzen und Zukunft) sinnvoll und unterstützend.

Schauen Sie gerne mal rein, wo Sie sich vielleicht am ehesten wiedererkennen.

  • Welche Erkenntnisse und welche Perspektiven bieten sich Ihnen an?
  • Was lässt sich hier gerade auch wertschätzen?

Als systemischer Therapeut verstehe ich dieses Modell dynamisch. Es geht viel weniger um Festschreibungen, als um hilfreiche Beschreibungen, um innere Orte der Wertschätzung des eigenen Weges und um kreative Ideen der Richtung der eigenen Weiterentwicklung.