Unser Lebensweg ist ein Weg ständigen Wachstums, wenn wir offen bleiben für die Herausforderungen, die uns bzw. denen wir begegnen. Einige psychotherapeutische Autoren haben sich Gedanken darüber gemacht, zu welchen Fähigkeiten diese Reise führt.

Ein Beispiel wäre die folgende Liste konkreter Beschreibungen von David Richo. Bei ihr geht es um unterstützende Anregungen und nicht um eine „erschöpfende“ Auflistung oder ein Perfektionierungsprogramm.

Wir sind alle auf dem Weg und bleiben es.

Wenn Sie mögen, schauen Sie:
Was spricht Sie besonders an?
Welche Stärken sehen Sie bei sich?
Welchen Entwicklungsbedarf spüren Sie vielleicht ?

Beispielsätze eines „inneren liebevollen Erwachsenen“

  1. Ich übernehme die volle Verantwortung für die Form, die mein Leben bekommen hat.
  2. Ich fürchte niemals meine eigene Wahrheit, Kräfte, Fantasien, Wünsche, Gedanken, Körper, Sexualität, Träume oder „Dämonen“.
  3. Ich vertraue, dass Krisen Wachstum ermöglichen.
  4. Ich lasse Menschen kommen und gehen, und das ist okay für mich.
  5. Ich akzeptiere, dass ich vielleicht nie spüren werde, dass ich all die Aufmerksamkeit bekomme(n habe), die ich mir wünsche.
  6. Ich kann Ohnmacht halten und mich mit den Grenzen des Menschlichen abfinden. Veränderbare Grenzen setze ich für mich stimmig.
  7. Solange ich das Verhalten eines anderen nicht mit Mitgefühl sehe, habe ich es nicht verstanden. [Zugleich schätze und schütze ich mich.]
  8. Ich vergebe und lasse Vorwürfe, Bedauern, Rache und Strafe los.
  9. Wenn Veränderung und Wachstum mir Furcht einflößen, wähle ich sie trotzdem. Sie gehören zum Leben. Ich handle vielleicht mit Furcht, aber nicht aus Furcht. Zugleich achte ich auf passende Zeitpunkte und breche nichts übers Knie.
  10. Ich bleibe in sicherer Position, auch wenn ich Regeln nicht mehr folge, die andere (insb. meine Eltern) für mich aufgestellt haben.
  11. Ich schätze meine eigene Integrität (charakterliche Rechtschaffenheit) und benutze sie nicht als Maßstab für das Verhalten von anderen.
  12. Ich bin frei, jegliche Gedanken zu haben. Ich habe nicht das Recht, alles zu tun, was ich will. Die Grenzen meines Rechts auf Freiheit sind die Freiheitsrechte der anderen. Ich respektiere die Grenzen der Freiheit und handle trotzdem frei.
  13. Ich lasse meine übersteigerten Erwartungen mehr und mehr fallen und bleibe mir in wachsender innerer Freiheit treu.
  14. Ich habe kein Anrecht darauf, dass sich irgendjemand oder irgendwas um mich kümmert.
  15. Ich gebe, ohne Anerkennung zu erwarten.
  16. Statt mich nur zu beschweren, übernehme ich die Verantwortung für mein Wohlergehen. Ich handle in (bzw. entferne mich aus) unannehmbaren Situationen.
  17. Ich verzichte auf Kontrolle, ohne die Kontrolle zu verlieren.
  18. Wahrnehmungen und Entscheidungen in meinem Leben bleiben flexibel, nicht rigide oder absolut.
  19. Ich bin menschlich imperfekt so wie alle Menschen.
  20. Ich bleibe authentisch und integer und lasse meine Worte und Taten offenbaren, wer ich wirklich bin.
  21. Ich verzichte darauf, die Eindrücke, die andere von mir vielleicht haben, zu verändern.
  22. Ich lebe gemäß meiner persönlichen Überzeugungen und gleichzeitig vergebe ich mir meine gelegentlichen Ausrutscher und Unzulänglichkeiten.
  23. Ich erlaube mir einen Spielraum für meine Fehler auf der Arbeit und in Beziehungen. Ich lasse den schmerzlichen Anspruch los, jederzeit richtig oder kompetent sein zu müssen. [So kann Fluss entstehen.]

leicht verändert nach: “declarations of a healthy adult” aus: Richo, David: How to be an adult. 1991